Zum Inhalt springen
← Zurück zum Leitfaden

Unterlagen für die Scheidung: Was du wirklich brauchst

5 Min. Lesezeit·Veröffentlicht am 15. April 2026
Eine Scheidung bringt nicht nur emotionale Belastungen mit sich – sie erfordert auch eine erhebliche Menge an Dokumenten. Wer frühzeitig die richtigen Unterlagen zusammenstellt, vermeidet Verzögerungen im Verfahren und behält den Überblick über die eigene finanzielle Situation.
In der Regel benötigst du Unterlagen für drei Bereiche: das Scheidungsverfahren selbst, den Zugewinnausgleich und den Versorgungsausgleich. Je vollständiger deine Dokumentation ist, desto besser kann dein Rechtsanwalt oder deine Rechtsanwältin deine Interessen vertreten.

Heiratsurkunde

Die Heiratsurkunde ist das zentrale Dokument für jeden Scheidungsantrag. Wenn du das Original nicht mehr findest, kannst du eine beglaubigte Abschrift beim Standesamt anfordern, bei dem die Ehe geschlossen wurde. Die Gebühr liegt in der Regel bei 10 bis 15 Euro. Die Bearbeitungszeit beträgt häufig zwei bis vier Wochen.

Personalausweis oder Reisepass

Eine Kopie deines gültigen Ausweisdokuments wird für die Identitätsprüfung benötigt. Achte darauf, dass das Dokument nicht abgelaufen ist.

Geburtsurkunden der gemeinsamen Kinder

Falls gemeinsame minderjährige Kinder vorhanden sind, werden deren Geburtsurkunden für Regelungen zum Sorgerecht und Unterhalt benötigt. Auch hier kannst du beim zuständigen Standesamt Abschriften anfordern.

Ehevertrag (falls vorhanden)

Wenn ein Ehevertrag oder eine notarielle Vereinbarung existiert, ist dies eines der wichtigsten Dokumente. Es bestimmt, welche Regelungen zum Zugewinnausgleich gelten. Sollte das Original nicht auffindbar sein, kann der beurkundende Notar eine Ausfertigung ausstellen.
Der Zugewinnausgleich erfordert einen umfassenden Überblick über alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten. Die folgenden Dokumente sind in der Regel erforderlich:

Kontoauszüge

Kontoauszüge aller Giro-, Spar- und Tagesgeldkonten sind zentral für die Vermögensaufstellung. Häufig werden Auszüge zu drei Stichtagen benötigt: Eheschließung, Trennung und Zustellung des Scheidungsantrags. Mehr dazu erfährst du im Artikel Kontoauszüge anfordern.

Depotauszüge

Für Wertpapierdepots benötigst du Depotauszüge mit Bestandsübersicht und Kurswerten zu den relevanten Stichtagen. Banken und Broker stellen diese in der Regel auf Anfrage aus.

Versicherungspolicen

Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen haben häufig einen Rückkaufswert, der in die Vermögensaufstellung einfließt. Fordere bei deinem Versicherer eine Wertmitteilung zu den relevanten Stichtagen an.

Grundbuchauszüge

Für Immobilien im Eigentum benötigst du einen aktuellen Grundbuchauszug. Diesen kannst du beim zuständigen Amtsgericht (Grundbuchamt) beantragen. Die Gebühr beträgt in der Regel 10 bis 20 Euro. Weitere Informationen findest du im Artikel Immobilie bei Scheidung.

Steuerbescheide und Gehaltsabrechnungen

Einkommensteuerbescheide der letzten drei Jahre sowie aktuelle Gehaltsabrechnungen geben Aufschluss über die Einkommensverhältnisse. Diese sind besonders relevant für Unterhaltsberechnungen.

Kreditverträge

Alle laufenden Kredite – Baufinanzierung, Autokredit, Konsumentenkredite – müssen dokumentiert werden. Fordere bei deiner Bank eine aktuelle Saldomitteilung an.

Bausparverträge

Bausparverträge haben einen Guthabenwert, der zum Vermögen zählt. Die Bausparkasse stellt auf Anfrage eine Wertmitteilung aus.
Der Versorgungsausgleich betrifft die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften. Das Familiengericht fordert die relevanten Auskünfte in der Regel selbst bei den Rentenversicherungsträgern an. Dennoch ist es hilfreich, folgende Unterlagen bereitzuhalten:
  • Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung
  • Bescheinigungen über betriebliche Altersvorsorge
  • Private Rentenversicherungsverträge
  • Riester- und Rürup-Verträge
Mehr zum Versorgungsausgleich erfährst du im Artikel Versorgungsausgleich und Rente.
Es kommt häufig vor, dass nicht alle Unterlagen sofort verfügbar sind. Einige Tipps:
  • Banken sind auskunftspflichtig: Nach der Rechtsprechung müssen Banken Kontoauszüge für zurückliegende Zeiträume ausstellen. Allerdings können die Kosten für ältere Auszüge erheblich sein.
  • Standesämter bewahren Urkunden auf: Geburts- und Heiratsurkunden werden dauerhaft aufbewahrt und können jederzeit als beglaubigte Abschrift angefordert werden.
  • Grundbuchämter führen historische Einträge: Auch ältere Eigentumsverhältnisse lassen sich nachvollziehen.
  • Versicherungen sind zur Auskunft verpflichtet: Versicherer müssen dir auf Anfrage die Vertragsdaten und Werte mitteilen.
  • SCHUFA-Auskunft: Eine SCHUFA-Selbstauskunft (einmal jährlich kostenlos nach Art. 15 DSGVO) zeigt alle gemeldeten Kredite und Konten und kann helfen, vergessene Verbindlichkeiten aufzudecken.
Bei der Vielzahl an Dokumenten empfiehlt es sich, systematisch vorzugehen:
  1. Liste erstellen: Notier alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, die dir bekannt sind.
  2. Stichtage beachten: Für jeden Vermögenswert werden in der Regel Werte zu drei Stichtagen benötigt. Details findest du im Artikel Stichtage beim Zugewinnausgleich.
  3. Anfragen dokumentieren: Halt fest, wann du welche Unterlagen wo angefordert hast.
  4. Fristen im Blick behalten: Manche Anfragen dauern vier bis sechs Wochen. Beginn frühzeitig.
Die Zusammenstellung der Unterlagen für eine Scheidung ist aufwendig, aber entscheidend für ein faires Ergebnis. Je strukturierter du vorgehst, desto weniger Überraschungen erlebst du im Verfahren. Eine systematische Vermögensaufstellung hilft dir, alle relevanten Dokumente zu identifizieren und nichts zu vergessen.
Für deine individuelle Situation wende dich an deinen Rechtsanwalt oder deine Rechtsanwältin.

Kostenlose Checkliste herunterladen

Alle 20+ Vermögenskategorien, alle drei Stichtage, alle benötigten Unterlagen – als PDF zum Ausdrucken und Abhaken.