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Kontoauszüge anfordern für die Scheidung: So geht's

5 Min. Lesezeit·Veröffentlicht am 15. April 2026
Kontoauszüge gehören zu den wichtigsten Unterlagen bei einer Scheidung. Die Auszüge dokumentieren dein Vermögen zu den relevanten Stichtagen und bilden die Grundlage für den Zugewinnausgleich. Ohne vollständige Kontoauszüge lässt sich die Vermögensentwicklung während der Ehe nicht nachvollziehen.
Häufig stellt die Beschaffung älterer Kontoauszüge eine besondere Herausforderung dar – insbesondere wenn die Ehe viele Jahre zurückliegt oder Konten zwischenzeitlich aufgelöst wurden.
Grundsätzlich sind alle Konten relevant, die während der Ehezeit bestanden haben oder aktuell bestehen:

Girokonten

Alle Girokonten – ob Einzelkonto oder Gemeinschaftskonto – müssen erfasst werden. Das betrifft sowohl das Hauptkonto als auch Zweitkonten bei anderen Banken.

Sparkonten und Tagesgeldkonten

Sparbücher, Tagesgeldkonten und Festgeldanlagen gehören ebenfalls zur Vermögensaufstellung. Auch aufgelöste Konten können relevant sein, wenn sie zu einem der Stichtage bestanden haben.

Wertpapierdepots

Für Depots mit Aktien, Fonds, ETFs oder Anleihen brauchst du Depotauszüge mit den Bestandswerten zu den jeweiligen Stichtagen. Die ISIN-Nummern und Kurswerte sind dabei entscheidend.

Bausparverträge

Bausparverträge führen ein eigenes Konto mit Guthaben und Darlehenssaldo. Die Bausparkasse kann dir den Stand zu bestimmten Stichtagen mitteilen.

Kreditkartenkonten

Auch Kreditkartenkonten mit Saldo (insbesondere Revolving-Kreditkarten) gehören zu den Verbindlichkeiten und müssen dokumentiert werden.
In der Regel brauchst du Kontoauszüge zu drei Stichtagen:
  1. Tag der Eheschließung – zur Bestimmung des Anfangsvermögens
  2. Tag der Trennung – häufig relevant für Unterhaltsberechnungen
  3. Tag der Zustellung des Scheidungsantrags – zur Bestimmung des Endvermögens
Details zu diesen Stichtagen findest du im Artikel Stichtage beim Zugewinnausgleich.
Einige Rechtsanwälte empfehlen zusätzlich, Kontoauszüge für die Monate rund um die Stichtage anzufordern, um größere Vermögensverschiebungen nachvollziehen zu können.

Schritt 1: Konten identifizieren

Erstell zunächst eine Liste aller Konten, die du kennst. Eine SCHUFA-Selbstauskunft kann helfen, vergessene Konten aufzudecken. Diese ist einmal jährlich kostenlos nach Art. 15 DSGVO erhältlich.

Schritt 2: Anfrage an die Bank

Richte ein Schreiben an deine Bank mit folgenden Angaben:
  • Kontonummer und IBAN
  • Gewünschte Stichtage
  • Hinweis auf den Zweck (familiengerichtliches Verfahren)
  • Bitte um Bestätigung des Kontostands zum jeweiligen Stichtag
Viele Banken akzeptieren die Anfrage auch per E-Mail oder über das Online-Banking-Portal. Ein formloses Schreiben ist in der Regel ausreichend.

Schritt 3: Kosten einplanen

Die Kosten für Kontoauszüge variieren je nach Bank und Zeitraum:
  • Aktuelle Auszüge: In der Regel kostenlos über Online-Banking
  • Ältere Auszüge (bis 10 Jahre): Häufig zwischen 5 und 25 Euro pro Stichtag
  • Sehr alte Auszüge (über 10 Jahre): Viele Banken bewahren Daten nur 10 Jahre auf. Eine Beschaffung ist dann oft nicht mehr möglich.

Schritt 4: Bearbeitungszeit berücksichtigen

Rechne mit einer Bearbeitungszeit von zwei bis sechs Wochen, je nach Bank und Anfragekomplexität. Bei aufgelösten Konten kann es länger dauern.
Banken sind grundsätzlich verpflichtet, dir Auskunft über deine eigenen Kontodaten zu erteilen. Das ergibt sich aus dem Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO und den vertraglichen Nebenpflichten des Kontovertrags.
Allerdings gibt es Grenzen:
  • 10-Jahres-Grenze: Die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für Kontobelege beträgt 10 Jahre (§ 257 HGB). Ältere Daten sind häufig nicht mehr verfügbar.
  • Gemeinschaftskonten: Bei Gemeinschaftskonten hat jeder Kontoinhaber Anspruch auf Auskunft.
  • Aufgelöste Konten: Auch nach Kontoauflösung besteht der Auskunftsanspruch grundsätzlich fort, solange die Daten noch gespeichert sind.
Eine SCHUFA-Selbstauskunft (Datenkopie nach Art. 15 DSGVO) zeigt alle bei der SCHUFA gemeldeten Konten, Kredite und Bürgschaften. Das kann helfen, einen vollständigen Überblick zu erhalten – insbesondere wenn du unsicher bist, ob alle Konten erfasst sind.
Die Datenkopie ist einmal jährlich kostenlos. Der Antrag kann online auf der SCHUFA-Website gestellt werden.

Ehepartner verweigert Auskunft

Im Rahmen des Zugewinnausgleichs besteht ein gegenseitiger Auskunftsanspruch nach § 1379 BGB. Dieser kann gerichtlich durchgesetzt werden. In der Praxis wird das Familiengericht den auskunftspflichtigen Ehepartner auffordern, eine vollständige Vermögensaufstellung vorzulegen.

Bank findet keine Daten

Wenn die Bank keine Daten mehr vorliegen hat, dokumentier die Anfrage und die Absage. Das Gericht berücksichtigt in der Regel, dass ältere Unterlagen nicht immer beschafft werden können.

Kosten für Auszüge

Die Kosten für die Beschaffung von Kontoauszügen können als Verfahrenskosten geltend gemacht werden. Bewahre alle Rechnungen und Belege auf.
Die Anforderung von Kontoauszügen ist ein wesentlicher Schritt in der Vorbereitung auf den Zugewinnausgleich. Beginn frühzeitig, plan Kosten und Bearbeitungszeiten ein, und dokumentier alle Anfragen sorgfältig. Eine systematische Herangehensweise spart Zeit und vermeidet Nachfragen im Verfahren.
Für deine individuelle Situation wende dich an deinen Rechtsanwalt oder deine Rechtsanwältin.

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